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Fachtagung Depression im BTZ Potsdam der faw

BTZ Potsdam

Mit einer hochkarätig besetzten Fachtagung zum Thema Depression hat das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) Potsdam der faw am 24. Juni im traditionsreichen Thalia-Kino Babelsberg ein starkes Zeichen für Aufklärung, Verständnis und Enttabuisierung psychischer Erkrankungen gesetzt. Gastgeber waren Cristiano Weinkauf, Leiter des BTZ Potsdam, und Anne Schiwek, stellvertretende BTZ-Leiterin und Hauptverantwortliche der Veranstaltung. Auch faw-Geschäftsführerin Sabine Oberkirsch richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden.

Foto aller Teilnehmenden der Podiumsdiskussion auf der Bühne

Die besondere Atmosphäre des historischen Kinos bot den passenden Rahmen für einen intensiven Austausch. Unter den Besucher*innen waren zahlreiche von Depressionen betroffene Menschen, zugleich aber auch viele Fachleute, Netzwerkpartner*innen und Vertreter*innen regionaler Institutionen. Die große Resonanz unterstrich sowohl den Bedarf an Information und Austausch als auch die gute Vernetzung des BTZ Potsdam in der Region.

Tobi Katze: Offen über das Leben mit Depression sprechen

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Bestsellerautor Tobi Katze („Morgen ist leider auch noch ein Tag – Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet“), der offen und humorvoll über seine Erfahrungen mit Depression berichtete. Im Mittelpunkt standen die Reaktionen von Familie und Freund*innen, der Umgang mit Antidepressiva sowie die Erfahrung, mit einer häufig unsichtbaren Erkrankung zu leben. Dabei machte er deutlich, dass Depressionen oft gemeinsam mit weiteren Erkrankungen auftreten: „Depression kommt selten allein“.

Als wichtige Bewältigungsstrategie beschrieb Katze einen konsequent strukturierten Tagesablauf, seine „Geheimwaffe bis heute“. Zugleich sprach er über das nach wie vor bestehende Tabu psychischer Erkrankungen und warb für mehr Offenheit im gesellschaftlichen Umgang damit.

Prof. Dr. Stefan Gold: Depression als Ganzkörpererkrankung

Den wissenschaftlichen Blick brachte Prof. Dr. Stefan Gold, Leiter der Neuropsychiatrie der Charité, ein. Er erläuterte die multifaktoriellen Ursachen von Depressionen, häufige Komorbiditäten und die Wechselwirkungen zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit.

Besonders eindrücklich war seine Einordnung psychischer Erkrankungen als Ganzkörpererkrankungen, die entsprechend ganzheitlich behandelt werden müssten. Sein Fazit: Depressionen reichen weit über psychische Symptome hinaus und erfordern eine umfassende Behandlung und Unterstützung.

Depression erlebbar machen

Ein besonderes Angebot ergänzte die Fachvorträge: Gemeinsam mit der Robert-Enke-Stiftung konnten Besucher*innen die Virtual-Reality-Erfahrung „Impression Depression“ erleben. Ziel war es, die Auswirkungen einer Depression nicht nur zu beschreiben, sondern emotional nachvollziehbar zu machen.

Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit. In den Gesprächen im Anschluss wurde deutlich, wie eindrücklich die Simulation wahrgenommen wurde und wie sehr sie dazu beitrug, die oft unsichtbaren Belastungen von Betroffenen besser zu verstehen.

Vom Burnout zurück ins Berufsleben

Einen bewegenden Programmpunkt gestalteten Cristiano Weinkauf und eine ehemalige Teilnehmerin des BTZ Potsdam. Sie schilderte ihren Weg vom Burnout über zwei Jahre Arbeitsunfähigkeit und eine medizinische Rehabilitation bis ins BTZ der faw.

Besonders prägend seien die Möglichkeit gewesen, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen. Vor allem die Praktika, eines davon im Deutschen Bundestag, habe ihr das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückgegeben und gezeigt, dass sie weiterhin gesellschaftlich relevante Aufgaben übernehmen kann. Für Weinkauf ist ihr Weg ein „wundervolles Beispiel“ für gelingende berufliche Rehabilitation im BTZ.

Gemeinsame Perspektiven für die Zukunft

Den Abschluss bildete eine von Anne Schiwek moderierte Podiumsdiskussion mit Tobi Katze, Prof. Dr. Stefan Gold, Franziska Liebig, Nadine Menard (Betriebliches Eingliederungsmanagement der faw) und Cristiano Weinkauf. Diskutiert wurden Erkennungsmerkmale von Depressionen, geschlechtsspezifische Unterschiede sowie notwendige Veränderungen in Gesellschaft und Arbeitswelt.

Tobi Katze betonte die Bedeutung von Sprache und Literatur für die Akzeptanz psychischer Erkrankungen. Anne Schiwek verwies auf die Wirkung gesellschaftlicher Narrative und Rollenbilder im Arbeitsleben. Nadine Menard brachte die Perspektive des Betrieblichen Eingliederungsmanagements ein. Auf die Frage nach der Heilbarkeit von Depressionen antwortete Prof. Dr. Gold differenziert und plädierte für eine individuelle Betrachtung des Heilungsbegriffs.

Einigkeit bestand darüber, dass Depressionen früher erkannt werden müssen – bereits in Schule und Elternhaus. Tobi Katze forderte einen Kulturwandel im Arbeitsleben und ein Ende der Trennung zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen. Nadine Menard sprach sich für eine bessere Versorgung von Betroffenen aus, während Cristiano Weinkauf dafür warb, Potenziale stärker in den Blick zu nehmen als Defizite. Anne Schiwek fasste die zentrale Botschaft des Tages zusammen: Depressionen sind in den meisten Fällen behandelbar – und Enttabuisierung bleibt eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe.

Austausch auf Augenhöhe

Neben den fachlichen Impulsen prägte vor allem der persönliche Austausch die Veranstaltung. Das Catering des BTZ Potsdam bot Raum für Gespräche und Vernetzung. Zum Abschluss erhielten die Gäste von Teilnehmenden des BTZ selbst genähte und bedruckte Goody-Bags als besondere Erinnerung an den Tag.

Die Fachtagung hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Begegnungsräume für Betroffene, Fachleute und Netzwerkpartner*innen sind. Sie machte Depressionen sichtbar, förderte Verständnis und unterstrich die wichtige Rolle des BTZ Potsdam als verlässlicher Partner in der beruflichen Rehabilitation und im regionalen Netzwerk psychischer Gesundheit.

Fotos: Stephane Le Breton

Impressionen von der Fachtagung

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